STAR TREK XI

Nach Batman, Superman und James Bond bricht auch die Besatzung der Enterprise zu neuen Ufern auf, um paradoxerweise zu ihren Ursprüngen zurückzukehren: Star Trek, die Originalserie, war zu ihrer Zeit modern, wegweisend und setzte Trends. Ihre Nachfolger konnten diesen Anspruch nicht mehr zur Gänze erfüllen und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die letzten Traditionalisten keine Lust auf alte Geschichten in neuen Uniformen hatten. Star Trek: Enterprise wurde vorzeitig abgesetzt, das passierte zuletzt der Originalserie im Jahr 1969.

Ein radikaler Neuanfang, quasi ein RESET des Franchise, musste her um die Marke Star Trek wieder zu aktivieren. Mit dieser schwierigen Mission wurde J.J. Abrams beauftragt. Abrams hat nach LOST, Alias und Fringe nicht nur ausreichend Erfahrung mit TV-Serien gesammelt, sondern als Regisseur von Mission Impossible III und Produzent von Cloverfield bereits die große Leinwand kennengelernt.

Doch sind Emmy und Golden Globe im Regal noch kein Garant dafür, alte und neue Zuschauer ins Kino zu locken. Geschichten werden heute anders erzählt als in den 80er oder 90er Jahren. Diese Lektion lernten Star Trek: Der Aufstand und Star Trek: Nemesis an der Kinokasse. Das Publikum war nicht länger bereit hohe Eintrittsgelder für Geschichten zu bezahlen, die selbst im TV nur mittelmäßig waren. So hat sich Abrams, der behauptet kein großer Kenner der Serie zu sein, im Fundus seines Freunds George Lucas bedient und Star Trek ein gewaltiges Stück in Richtung Space Opera à la Star Wars geschoben.

Das merkt man besonders in den Raumschlachten, in denen die Enterprise nicht mehr langsam durch den Weltraum schippert und ihre Breitseiten abfeuert, sondern zeigt was ein Warpantrieb leisten kann. Dabei kommen Einstellungen zu Stande, die wiederum das Publikum des letzten Jahrhunderts überfordert hätten und die Gesetze der Physik auf den Kopf stellen. Dieses Konzept wird in den Actionszenen konsequent fortgeführt und entwickelt eine Dynamik, die man bisher nicht mit Star Trek in Verbindung brachte, sondern zuletzt in Bond oder Bourne sah.

Das Außergewöhnliche an Abrams Experiment ist allerdings die neue „alte“ Besatzung des Raumschiffs: Er kehrt zurück in die Jugendzeiten von James Tiberius Kirk und Spock. Mit einer jungen Garde von Schauspielern deutet er die Kindheit der Protagonisten an, um dann zu ihrem ersten Aufeinandertreffen auf der Starfleet Academy überzuleiten. Spock und Kirk sind weit davon entfernt ein Dreamteam zu sein, zu unterschiedlich sind ihre Herkunft und Motivation, doch in größter Not erkennen sie, dass sie nur gemeinsam gewinnen können.

In den Medien wird der neue Spock, dargestellt von Zachary Quinto, bereits überschwänglich gelobt. Tatsächlich interpretiert er die Star Trek Ikone erfrischend neu und bringt endlich die Zwiespältigkeit des Charakters zum Vorschein, die bisher in der Serie nur unter dem Einsatz von Drogen oder kurz vor dem Tod zu Tage kam. Dass er dem jungen Leonard Nimoy so verblüffend ähnelt, erleichtert die Akzeptanz durch den Zuschauer.

Sehr gut gefällt auch Chris Pine, der Jim Kirk zu neuem Leben erweckte. Zu sehr hatten wir uns an einen gemächlichen William Shatner gewöhnt und dabei glatt vergessen, dass er der ursprüngliche Actionheld des ungleichen Duos und für das Verteilen von Fausthieben verantwortlich war. Pine gelingt es Kirk mit der Lässigkeit und Unverfrorenheit darzustellen, die man von Shatner aus der Originalserie kannte und bei Picard, trotz Sidekick Riker, vermisste.

Auch wenn der Film von dem Beginn der Freundschaft zwischen Kirk und Spock handelt, hat Abrams nicht den Fehler gemacht und die restliche Besatzung zu Statisten degradiert. Besonders Uhura (Zoë Saldaña) macht dabei eine gute Figur, während Leonard „Pille“ McCoy (Karl Urban), am anderen Ende der Skala, noch nicht seinen Platz in der Crew gefunden hat. Stattdessen entwickelt sich „Scotty“ (Simon Pegg) ab der Mitte des Films zum Sympathieträger und hat angesichts seiner aufflammenden Liebe zum Raumschiff Enterprise viele Lacher auf seiner Seite. John Cho zitiert mit gezogenem Degen eine der bekanntesten Szenen von Hikaru Sulu aus der klassischen Serie.

Die musikalische Abteilung der Enterprise wurde ebenfalls ausgetauscht und die bisherige „Besetzung“ auf das berühmte Thema von Alexander Courage reduziert. Von Goldsmith, Horner oder McCarthy ist nichts mehr zu hören. Stattdessen hat Michael Giacchino einen Score entwickelt, der perfekt zu den schnellen Schnitten und üppigen Bildern von Abrams passt. Das ist nicht verwunderlich, sind die beiden doch schon länger ein eingespieltes Team. Leider funktioniert der Score nur bedingt alleine, denn insgesamt beinhaltet der Soundtrack zu wenig Abwechslung.

Leonoard Nimoy ist der lebende Beweis dafür, dass die Filmserie mit den alten Helden nicht mehr funktionieren konnte. Sein Auftritt in der Neuverfilmung ist dennoch notwendig um zumindest den unbeirrbaren Fans deutlich zu machen, dass die Fackel weitergegeben wurde. Um Star Trek auch in Zukunft weiter im Kino sehen zu können, und um weiteren TV-Serien aus diesem Universum die Geburt zu ermöglichen, war die drastische Verjüngungskur nur „logisch“. Von den im ersten Satz genannten Filmserien, hat das Raumschiff Enterprise das größte Potential um allen davonzufliegen.

Von mir gibt es deshalb für Star Trek XI 5 von 5 Punkten und ich freue mich schon sehr auf Star Trek XII, denn traditionell sind die STAR TREK-Filme mit gerader Laufnummer noch besser. Wenn diese Regel auch weiterhin bestand hat, dann müssen wir spätestens 2011 am Elendil-Ranking arbeiten.