Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia

m Dezember 2005 startete Walt Disney die Aufholjagd und versuchte gegenüber „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ wieder Boden gut zu machen. Mit großem Aufwand wurde der Blockbuster „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ inszeniert und sollte Disney ein großes Stück des Genrekuchens sichern. In den vergangenen Jahren hatte Disney im wichtigen „Weihnachtsgeschäft“ zu viele Zuschauer an die oben genannten Filme verloren.

Die Vorlage für diesen Versuch liefert der 1963 verstorbene C.S. Lewis, dessen Romanserie „Die Chroniken von Narnia“ in England Kultstatus erreichten und bereits in den 1980er von BBC für das TV verfilmt wurden.

C.S. Lewis war ein enger Freund von J.R.R. Tolkien und sie stellten sich gegenseitig ihre Werke vor. Trotzdem unterscheiden sie sich enorm, denn Lewis verknüpfte die Welt der Menschen mit einer paradiesisch anmutenden Fantasiewelt. Auch die Zielgruppe der beiden Autoren unterscheidet sich stark. Während Tolkien mit seiner Trilogie eine deutlich ältere Leserschaft anspricht, richtet sich Lewis an Kinder.

Durch einen Wandschrank, dessen Herkunft leider nicht erklärt wird, betreten Lucy, Susan, Edmund und Peter die fremde Welt Narnia und werden von den dort lebenden Wesen als Erlöser gefeiert. So verwundert es nicht, dass die vor dem zweiten Weltkrieg flüchtenden Kinder im zauberhaften Narnia als Söhne und Töchter von Adam und Eva bezeichnet werden.

Tilda Swinton spielt die kühle Eiskönigin, die ganz Narnia unter ihre Kontrolle bringen möchte und dafür die Menschenkinder in Versuchung führt. Denen stehen im Kampf gegen die Weiße Hexe viele mythische Figuren und sprechende Tiere zur Seite, allen voran Aslan der gottgleiche König von Narnia.

Viel wurde im Vorneherein in den Film hineininterpretiert und auch einige Kritiker schlagen immer wieder in die gleiche Kerbe: Subtile Öffentlichkeitsarbeit für den Kreuzzug gegen das Böse sowie christliche Werbung verband man mit „Der König von Narnia“. Dem steht gegenüber, dass Lewis natürlich nicht die politische Situation des 21. Jahrhunderts kannte und seine Vorlage vor heidnischen Figuren und Symbolen trotzt.

Tod und Auferstehung, Liebe und Vertrauen sind durchaus Zutaten der Vorlage und finden sich auch ansatzweise im Film wieder. Man schmeckt sie jedoch zwischen den gewaltigen Bildern und vielen, leider oft nicht geglückten, Trickeffekten kaum noch heraus. Das die Helden und Waffen vor, während und nach der Schlacht noch gut aussehen und glänzen ist keine Verbeugung vor „chirurgischen“ Bombeneinsätzen, sondern ein Tribut an die Altersfreigabe. An dieser Stelle noch mal die eindringliche Erinnerung, dass es sich um die Verfilmung eines Kinderbuchs handelt!

Was man Andrew Adamson vorwerfen kann ist die Tatsache, dass er es trotz 150 Millionen Dollar Budget nicht geschafft hat, eine moderne Geschichte für ein „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ verwöhntes Publikum zu inszenieren. Zu stark folgt er der Vorlage und hat darüber hinaus vergessen, dass auch ein junges Publikum einer epischen Geschichte folgen kann.

Dies verwundert besonders, da es noch sechs weitere Filme aus den Chroniken von Narnia geben soll. Was fehlt ist das Gefühl den Start des nächsten Films nicht mehr abwarten zu können, zu episodenhaft und in sich abgeschlossen erscheint das erste Abenteuer der Geschwister.

Das Problem erklärt sich vielleicht, wenn man sich vor Augen hält, dass der verfilmte Roman eigentlich den dritten Teil der Buchreihe darstellt. Schade, dass die Entstehung von Narnia, die Herkunft der Hexe und die Geschichte des Wandschranks und der Straßenlaterne völlig ausgeblendet wurden. So verkommen wichtige Elemente der übergreifenden Geschichte zu Requisiten.

Die jungen Darsteller überzeugen, der Soundtrack von Harry Gregson-Williams hat einige starke Momente. Am Ende bleibt eine gute Produktion, die rechzeitig vor Weihnachten die beste Familienunterhaltung bietet ohne irgendwo anzuecken. Popcorn kaufen, Film ansehen und abschalten. Drei Sterne für den ersten Teil der Chroniken von Narnia.