Die Modedesignerin und Stylistin Paula Immich lebt und arbeitet in Berlin. Seit 5 Jahren unter dem Namen "presque fini" bekannt, präsentiert sich ihr Label mit der Herbst/Winter Kollektion 2010-11 nun unter dem neuen Namen PAULA IMMICH (www.paulaimmich.de). Die Designerin verbindet durch Material und Schnitt subtile Weiblichkeit mit Berliner Ungezwungenheit. Zum Kinostart von WIR SIND DIE NACHT (28.Oktober 2010) spricht Paula Immich über Berliner Mode, Vampire und schwarze Kleidung, Mode und Verwandlung sowie Ihre Tätigkeit als Modedesignerin und Stylistin.
Die unsterblichen Vampir-Damen in WIR SIND DIE NACHT legen großen Wert auf teure Kleidung und rauschende Parties in Berliner Szeneclubs. Wie betrachtest Du als Designerin das reale Berliner Nachtleben im Hinblick auf das Thema Mode? Gibt es so etwas, wie einen typischen Berliner Stil?
Paula Immich: Tagsüber hüllt sich die Stadt vorwiegend in ein unscheinbares Grau. Nachts aber kann man in Berlin die glamourösesten, erstaunlichsten Outfits sehen!
Die Vampirinnen im Film wurden alle in einer anderen Epoche gebissen: Louise (Nina Hoss) reist seit dem 18. Jahrhundert durch die Welt. Ihr Stil ist von dunklen Farben und leicht morbiden Accessoires geprägt. Charlotte (Jennifer Ulrich), einst Schauspielerin in der Stummfilmzeit der 20er Jahre, trägt vorzugsweise schwarze Kostüme mit Fransen, Perlen und Pailletten. Nora (Anna Fischer) hingegen wurde in den 90er Jahren auf der Loveparade gebissen und bildet mit ihren bunten, flippigen Klamotten der 90er Jahre Techno-Kultur einen krassen Gegensatz zu ihren blutdurstigen Freundinnen. Inwieweit dienen vergangene Epochen als Inspirationsquelle für Dich und Deine Mode?
Paula Immich: Mode ist ein ewiger Kreislauf. Styles kommen und gehen und kommen… Als Designerin nehme ich die jeweiligen Tendenzen auf und passe sie meiner persönlichen Wahrnehmung des aktuellen Zeitgeistes an.
Der Vampir beflügelt die Phantasie von Filmemachern wie kaum eine andere Figur aus der Welt der Mythen und Legenden. Wie sieht es mit Vampiren in der Modewelt aus? Gibt es für Dich persönlich (oder dir bekannte Designer) Vorbilder aus der Vampirfilmgeschichte?
Paula Immich: Bei dem Mythos „Vampir“ geht es immer auch um Erotik, insofern denke ich, haben Vampire und Mode viele Gemeinsamkeiten.
Wann immer man in Kunst, Film oder Literatur auf Vampire trifft, erscheinen die mythologischen Blutsauger überwiegend in schwarze Kleidung gehüllt. Auch in WIR SIND DIE NACHT präsentieren sich die Vampirladys häufig in eleganten schwarzen Nacht-Outfits. Welche Bedeutung hat die Farbe Schwarz für Dich und Deine Kollektionen?
Paula Immich: Die Farbe Schwarz hat etwas Tiefgründiges, Abgründiges. Sie gibt einer Kollektion Kontur und Eleganz.
Bereits 1996 entwickelten Regisseur Dennis Gansel und Produzent Christian Becker in ihrer gemeinsamen WG die Idee zum Film. Ganze 14 Jahre später präsentieren sie der Öffentlichkeit nun endlich das fertige Ergebnis. Kommt es in Deiner Arbeit auch vor, dass Du alte und bislang unrealisierte Ideen nach einigen Jahren wieder aufgreifst und umsetzt?
Paula Immich: Ich glaube es gibt Themen, die man immer wieder aufgreift, an denen man sich abarbeitet. Sie werden einem nie langweilig, weil man immer wieder neue Aspekte und Seiten findet. In einer Ecke meines Ateliers hängen auf einer Kleiderstange lauter nicht vollendete Designs der letzten Jahre. Ich kann aber nichts davon wegwerfen, weil ich glaube, sie eines Tages doch noch in eine Kollektion einbinden zu können.
Der Film zeigt sehr eindrucksvoll die Verwandlung der Hauptfigur Lena (Karoline Herfurth) von einer jungen Frau in einen weiblichen Vampir. Deine aktuelle Kollektion trägt ebenfalls den Namen „Die Verwandlung“. Welche Bedeutung hat dieses Wort in Bezug auf Deine Arbeit? Wie wichtig kann Mode für die Verwandlung eines Menschen sein?
Paula Immich: In der letzten Kollektion hat sich die Verwandlung meines Labels von „presque fini“ zu „Paula Immich“ vollzogen. Ich bin der Meinung, dass mit einer äußerlichen Verwandlung immer auch eine innere Verwandlung einher geht. Es ist schon erstaunlich, dass Frauen jede Saison wieder Lust auf neue Kleidung haben. Vielleicht liegt es in der Natur der Frau, immer wieder aufs Neue nach Möglichkeiten der Verwandlung zu suchen.
Bleiben wir bei Lena: Die 20jährige Berlinerin ist vor ihrer Verwandlung eine rotzige Punk-Göre aus asozialen Verhältnissen, steigt nach Louises Biss aber in eine Welt voller Luxus auf und kann sich plötzlich Kleider leisten, von denen sie vorher kaum zu träumen gewagt hätte. Hat Mode in Deinen Augen ihren Preis?
Paula Immich: Bei den großen Mode-Ketten bekommen die Leute Mäntel mit fünf Leisten- und drei Klappentaschen, Innenfutter, Kapuze und Kordelzügen und zahlen 39.90 Euro. So etwas geht nur über soziale Ausbeutung, schlechte Stoffqualität und Massenproduktion. Authentisches, individuelles und innovatives Design, hochwertige Stoffe und ein perfekt sitzender Schnitt haben Ihren Preis.
Neben Deinem Beruf als Designerin arbeitest Du auch als Stylistin und hast erst vor kurzem WIR SIND DIE NACHT-Hauptdarstellerin Karoline Herfurth für ein Cover-Shooting gestylt. Worauf muss man bei solch einem Job achten? Wie stimmst du das gesamte Styling auf die jeweilige Person ab?
Paula Immich: Wichtig sind natürlich Farben und Formen. Das Styling muss zur Person und deren Typ passen, zu Teint und Haarfarbe. Man muss auf die Körperproportionen achten und die Vorteile betonen, um das Bestmöglichste herauszuholen. Wichtig ist auch die Message, die das Foto aussenden soll. Karolines Verhältnis zu Mode empfand ich als sehr aufgeschlossen und spielerisch. Sie ist neugierig auf verschiedene Styles und hat keine vorgefertigte Meinung darüber, was ihr Ding ist und was nicht. Es macht Spaß, mit Menschen zu arbeiten, die Sachen ausprobieren und bereit sind neue Seiten von sich zu entdecken und diese auch zu zeigen!
Mit WIR SIND DIE NACHT haucht der deutsche Film im Jahr 2010 dem uralten Mythos des blutsaugenden Nachtwesens auf moderne Art und Weise neues Leben ein. Wie schätzt Du das Potential dieses Themas für die Modebranche ein? Könntest Du Dir vorstellen, dem Vampir-Mythos eine Kollektion zu widmen?
Paula Immich: Ich arbeite gerne mit Schwarz, weil das für mich etwas Tiefgründiges in sich birgt. Schwarz ist streng, aber auch sehr elegant. Schwarz gibt der Trägerin Bedeutsamkeit ohne sich in den Vordergrund zu drängen. In meiner aktuellen Winterkollektion gibt es einen Overall und ein Kleid, in denen jede Vampirin eine gute Figur abgeben würde!





