Spiderman 3 - Batman "2" - Watchmen.
Das ist nicht nur zeitlich eine Reihenfolge, man kann es wohl auch als Steigerung auffassen. Von der Versuchung des Helden und der persönlichen Rache zu einer Art Endabrechnung des Genres mit sich selbst. Superheldenszenen gibt es hier nur noch als grotesken Rückblick in eine vergangene Zeit.
Auch Watchmen zeichnet eine Welt am Rande des Abgrunds und Zack Snyder übersetzt die Graphic Novel in grandiose Bilder - und wird mit fast jeder Einstellung der Vorlage gerecht. Bilder sind wirklich die größte Stärke dieses Films, in voller Bandbreite von "Sin City" ähnlicher Düsternis zu gewaltigen Gemälden wie in "Sunshine". Szenen explodieren förmlich vor Details und Nahaufnahmen offenbaren uns tiefe Einblicke in die marode Welt der 80er Jahre von Watchmen. Wenn Richard Nixon vom Plakat aus für eine fünfte Amtszeit wirbt, kann es um die Moral nicht gut stehen.
Das Kunststück zwischen all der Grafikpracht eine Handlung zu transportieren gelingt Snyder mit Watchmen auch besser als in "300". Hier Story zu schreiben wäre sicherlich ein Fauxpas, denn der Film erzählt kaum eine Geschichte. Vielmehr besteht er aus einem Sammelsurium von Rückblenden, Introspektiven oder auch philosophischen Anwandlungen.
Letzteren fehlt manchmal etwas die Subtilität. Die Atomangst der Vorlage grüßt und dem Zuschauer werden große moralische Brocken hingeworfen, die der Film nicht in jedem Fall schmerzfrei verdauen kann. Immerhin nimmt der Film am Schluss keine Wertung vor und das birgt das größte Potential. Doch leider fordert er auch nur begrenzt dazu auf, dass selbst zu tun.
Schauspielerisch ist der Film nahezu perfekt besetzt und die "Helden" wirken glaubwürdig in ihren Rollen - besser: Parodien. Es bekommt wirklich jeder Heldentyp sein Fett weg, von gottgleichen Supermännern, über den undurchdringlichen Soziopathen zum maskierten Rächer mit Technogimmicks und der hübschen Tussi im knappen Latexoutfit. Entzaubert, demontiert oder unirdisch-entrückt-unmenschlich. Wenn im Film eine Maschine in Einzelteilen zerlegt vor dem Übermenschen schwebt, so gilt das metaphorisch für das Comicgenre und den Zuschauer ebenso.
Um mein Statement zu beenden: Watchmen ist ein Summenstrich unter die (Ab)Rechnung, die in den 80ern wie ein Erdbeben durch die Comiclandschaft lief und deren filmische Umsetzung wir jetzt erleben. Der Film ist brutal, düster und geht sehr offen mit Nacktheit und Sex um. Tabus bricht er damit bei uns aber keine mehr und das ist gut, denn so kann der Film in sich stimmig sein (bis auf das Ende einer Sexszene, die unfreiwillig einen Lachanfall bei mir verursacht hat) und frei erzählen.
Was kommt nach Watchmen - was kann nach Watchmen kommen? Wir werden sehen ...





