Ein Remake ist nicht einfach und das hat einen simplen Grund: Kein Regisseur verfilmt einen üblen Schrottstreifen neu, das wäre leicht. Es sind immer Kultfilme, die in einem modernen Gewand zurück ins Kino sollen. Wenn aber das Original nahezu perfekt ist, wie kann das Remake dann etwas anderes sein als ein Klon ohne eigenen Charakter? Es braucht also neue Ideen oder es passt sich dem Zeitgeist an. Scott Derrickson versucht in seiner Neuverfilmung von "Der Tag, an dem die Erde stillstand" beides. Die Story des Originals aus dem Jahre 1951 (Regie: John Wise) ist schnell erzählt. Klaatu, ein Abgesandter außerirdischer Zivilisationen besucht die Erde und überbringt ihren Bewohnern eine Warnung und ein Ultimatum: Solange ihr euch nur gegenseitig umbringt, wird sich niemand einmischen, wenn ihr aber versucht, andere Planeten mit euren Atomwaffen anzugreifen, dann wird die Menschheit von Robotern vernichtet werden. Damit die Erdlinge wissen, was ihnen blüht, hat Klaatu auch gleich einen der Roboter (eine Art stählerne Kreuzung aus King King und Godzilla!) mitgebracht, der allen Waffen der Menschen turmhoch überlegen ist. Im Lauf des Films wird Klaatu zweimal angeschossen. Jedes Mal will sein Roboter Amok laufen, wird aber zuerst von Klaatu und später von seiner irdischen Freundin Helen Benson mit dem zum Kultsatz avancierten: "Klaatu Barada Nikto" aufgehalten. Nachdem die Erde auf diese Art zweimal dem Untergang entgangen ist, spricht Klaatu am Ende des Filmes zu einer Gruppe Wissenschaftler und eben nicht zu Politikern.
Die pazifistische Botschaft des Filmes war damals eindeutig und auch außergewöhnlich. Zu dieser Zeit standen Hollywoods Filmemacher fast alle politisch hinter der Regierung. Kritische Töne, wie in "Der Tag, an dem die Erde stillstand", waren selten. Heute ist das etwas anders. Roland Emmerich lässt Aliens das Weiße Haus in die Luft sprengen und das amerikanische Publikum johlt! Kritische Töne finden sich selbst in den primitivsten Blockbustern.
Eine Lobeshyme auf den Pazifismus würde heute auch niemanden mehr beeindrucken und selbst Klaatu wäre angesichts der modernen asymetrischen Kriege, die intelligente Raketen gegen Terroristen stellen, ratlos. Also bleibt noch die Umweltzerstörung als drängendes Problem, und siehe da, das Remake hat eine tragfähige moralische Basis gefunden, die jeden von uns betrifft. Und sie funktioniert!
Der moderne Klaatu, von Keanu Reeves glaubwürdig verkörpert, hat den Auftrag, die Erde, einen der seltenen bewohnbaren Planeten, zu bewahren. Sollten die Menschen eine Gefahr für das Ökosystem des Planeten sein, dann müssen sie eben vernichtet werden. Reeves stellt den außerirdischen Abgesandten als traurige Gestalt dar, der seinen Auftrag nur ungern erfüllt. Wer hier einen neuen Neo aus Matrix (1999) erwartet, muss enttäuscht werden. Klaatu erinnert viel mehr an den Dämonenjäger Constantine (2005).
Der Biologin Helen Benson (Jennifer Conelly) und ihrem Stiefsohn Jacob (Jaden Smith) fällt in dem Remake die Aufgabe zu, das Vertrauen Klaatus zu gewinnen und ihn umzustimmen. Und da sind wir schon beim größten Problem des Films: Ihm fehlt schlicht ein Stunde Spieldauer. Etwas mehr als 100 Minuten sind einfach zu kurz, um das Vertrauen eines Menschen, oder noch schlimmer, eines Aliens, zu gewinnen. Das Gespräch zwischen dem Nobelpreisträger Barnard (John Cleese) und Klaatu ist zum Beispiel derart knapp, dass es besser ganz herausgeschnitten worden wäre. Ich vermisse hier den philosophischen Schlagabtausch wie etwa in Robert A. Heinleins Roman "A Stranger in an Strange Land". Vorlagen gäbe es jedenfalls genug. Andererseits sind die Action und Trick-Sequenzen des Film weder zu lang, noch reiner Selbstzweck, und dienen eindeutig der Dramaturgie.
In dem Remake zerfällt Klaatus Roboter in Milliarden kleiner Nanoheuschrecken, die, der apokalyptischen Plage gleich, über das moderne Babylon, die Vereinigten Staaten, herfallen. Wer ähnlich wie ich eine morbide Ader hat, dem werden diese Szenen sicher gefallen.
Am Ende des Filmes sieht es so aus, als hätten sich nicht nur die Menschen weiterentwickelt, sondern auch Klaatu, zumindest sagt er selbst etwas in dieser Art. Auch hier hätte ich gerne gewusst, was die Drehbuchautoren damit gemeint haben. Der Film gibt darauf aber leider ebenfalls keine brauchbare Antwort, es bleibt wohl bei der Hoffnung. Für mich bleibt am Ende aber eigentlich nur eine Hoffnung: Ein Directors-Cut mit drei Stunden Spielzeit.
Drei von fünf Sternen für einen Film mit Stärken und Schwächen.
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