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März 2011 Editorial

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Es war doch eben erst Silvester und jetzt ist schon wieder März. Ich kann manchmal kaum glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Vielleicht ist es die tägliche Routine, vielleicht sind es aber auch die vielen Eindrücke, die täglich auf uns einströmen. Irgendwie fehlt uns die Zeit für uns selbst, die Ruhe um ein wenig zurückzublicken, uns über Gefühle klar zu werden, oder schlicht ein bisschen zu träumen. Dabei wäre genau das notwendig für ein emotional ausgeglichenes Leben und es wäre die Basis für ein wenig Kreativität.

Seien wir doch einmal ehrlich. Jeder möchte gerne seine eigenen Geschichten erfinden - sei es nun für seine Lieblings-Serie oder in einer selbst erdachten Welt - und sie festhalten, aufschreiben, vielleicht veröffentlichen. Und warum auch nicht, schließlich sind sich die meisten Geschichten doch irgendwie ähnlich. Niemand muss das Rad neu erfinden, es reicht es zu benutzen. Das gilt übertragen natürlich auch für ganz große Autoren.

Im Jahre 1970 waren eine gewisse Joanne K. Rowling und ich und gerade fünf Jahre alt und wir beide waren ganz sicher eifrige Fernsehgucker - für mich kann ich das auf jeden Fall mit Gewissheit sagen. Damals lief in deutschen und britischen Fernsehen eine Serie, die genau das war, was Kinder im diesem Alter sehen möchten: Ein schrulliger Zauberer, irgendwie mächtig, aber auch ganz ohnmächtig und oft völlig ratlos, stolpert von einer komischen Situation in die nächste, weil er sich versehentlich aus dem tiefsten Mittelalter in unsere Zeit gezaubert und von der modernen Technik keine Ahnung hat. Er hält jedes Gerät für mächtige Magie, die er natürlich sofort lernen möchte. Der Zauberer hieß Catweazle und ist eine der liebenswertesten Figuren, die je über den Bildschirm geflimmert sind.

In den beiden Staffeln stand ihm jeweils ein Junge zur Seite, der ihm die technischen Geräte erklären und zeigen musste. Das war in der ersten der rothaarige Farmerssohn Harold Bennet, auch "Carrot" (dt. Karotte) genannt und in der zweiten der Sohn des Schlossbesitzers Lord Collingford. Dieser junge Lord besucht ein Internat und ist nur in den Ferien auf dem Schloss seines Vaters, aber was viel wichtiger ist, er trägt eine große Nickelbrille mit kreisrunden Gläsern. Für Catweazle sind diese beiden Jungen nicht nur gute Freunde und Helfer, sondern auch mächtige Magier, aber eben in der heutigen Zeit, oder besser gesagt in den 70er-Jahren, als die Serie produziert wurde.

Also wir haben hier einen Jungen mit knallroten Haaren und einen mit runder Brille und sie sind beide Magier, jedenfalls aus der Sicht des kauzigen Catweazle. Irgendwo habe ich das doch auch schon gelesen, beziehungsweise gesehen. Natürlich fallen euch hier, genau wie mir, der rothaarige Ron Weasley (man beachte den Nachnamen) und sein äußerst berühmter bester Freund Harry Potter ein, aus den Büchern von Joanne K. Rowling und deren Verfilmungen. Also ich denke wirklich, dass Rowling und ich mindestens eines gemeinsam haben: Wir haben Catweazle gesehen und ihn beide geliebt.

Ich würde der Erfolgsautorin aber nicht unterstellen, dass sie abgeschrieben, oder Ideen geklaut hat, denn Harry Potters Abenteuer unterscheiden sich doch sehr stark von denen Catweazles. Ich glaube vielmehr, dass sie mit Harry Potter, ganz im Geheimen und einfach so nebenbei, ein kleines Denkmal für den schrulligen Ceatweazle geschaffen hat. Dafür ist ihr zu mindestens meine Sympathie sicher.

Schade finde ich nur, dass Catweazle nicht mehr im Fersehen ausgestrahlt werden wird, weil die Jungen und Mädchen heute einige der Geräte aus den 70er Jahren gar nicht mehr kennen, wie zum Beispiel Tonbandgeräte mit breiten Magnetbändern, Plattenspieler für Vinylplatten oder geradezu monströse Transistorradios. Sie wären oft in der selben Situation wie Catweazle. Jemand müsste ihnen erklären, was das eigentlich ist.

Ob ein Remake eine Chance in der Gunst der heutigen Jungen und Mädchen hätte, wage ich nicht vorauszusagen, denn Catweazle war völlig gewaltfrei. Für alle, die der schrullige Magier aus dem Mittelalter trotzdem interessiert, gibt es verschiedene DVD-Editionen, die digital überarbeitet und von guter Qualität sind. Also ich jedenfalls kann mich nicht satt sehen an ihnen. Zeig mir den Elektrik-Trick, Catweazle!

 

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