Oktober 2005 – seit dem letzten Editorial ist schon geraume Zeit vergangen, was bedeutet:
Es muss dringend ein neues her. Denn was Fantasy und SciFi betrifft erwartet uns ein spannender Herbst.
Den Anfang macht - nein, nicht Hollywood - sondern Russland, genauer gesagt Moskau.
Denn dort kämpfen die „Wächter der Nacht“ gegen die Mächte der Finsternis. Der Fantasy/Horror/SciFi-Streifen nach Romanen von Sergei Lukjanenko ist als Teil einer Trilogie gedacht. In Russland war der Film ausgesprochen erfolgreich und auch der Trailer, der bisher in deutschen Kinos zu sehen war, lässt auf ein Filmspektakel der anderen Art hoffen. Ebenfalls neu im Kino ist „Brothers Grimm“. Der Film von Terry Gilliam zeigt einen etwas anderen Blick auf das Werk der beiden großen deutschen Märchenautoren.
Herbstwetter ist nicht nur Kinowetter, sondern auch Lesewetter. Auch im Bereich Fantasy lassen sich die Autoren und Verlage nicht lumpen und versüßen uns die Aussicht auf kältere Tage mit spannenden Neuerscheinungen:
Zu nennen wäre da Terry Pratchett der seinen Scheibenweltzyklus um ein weiteres (Meister)werk erweitert. „Ab die Post“, der dreißigste (!!!) Roman der Reihe, führt den Leser wieder nach Ankh-Morpork. Dort müht sich der Gauner Feucht von Lipwig, zur Rettung seines Halses die ansässige Post zu altem Ruhm zu führen, und muss sich dabei seiner Konkurrenten vom Großen Strang der Klacker erwehren. Dass Pratchett seine Leser mit scharfem Humor zum Lachen bringt und dabei auch ganz schön gesellschaftskritisch sein kann, braucht er eigentlich nicht zu beweisen. Schön, dass er es trotzdem tut.
Wenn Kinder im Herbst glänzende Augen kriegen wie zu Weihnachten, dann haben sie entweder Geburtstag – oder sie halten den neuen Harry Potter in den Händen. Der sechste Band um den Zauberlehrling von J.K.Rowling ist endlich auch auf Deutsch erschienen. Damit hat das lange Warten all derer ein Ende, die sich noch nicht an das englische Original getraut haben. Auf 656 Seiten lässt Rowling ihre Helden durch ein düsteres Schuljahr voller Gefahren taumeln. Taumeln auch deswegen, weil bei so manchem die pubertären Hormone verrückt spielen – es wird reichlich geknutscht in „Harry Potter und der Halbblutprinz“.
Wer danach ein wenig Abkühlung braucht und wer Englisch nicht scheut, für den sollte George R.R.Martins „A Song of Ice and Fire“ das Richtige sein. Eisig ist die Stimmung in Westeros in „A Feast for Crows“: Das Land ist durch den langen Krieg der Adelshäuser um den Thron ausgeblutet. Und von Norden naht schon die nächste Bedrohung in Form düsterer Wiedergänger, während tief im Osten die Königin der Drachen ihre Kräfte sammelt. Wer jetzt an anspruchslose Massenproduktion denkt (immerhin hat der Band über 700 Seiten), der sollte sich schleunigst die Vorgängerbände besorgen. Denn mit dem Lesen kommt auch die Erkenntnis, dass diese Bücher nicht umsonst als Prunkstücke nicht nur der Fantasyliteratur gehandelt werden (s. dazu auch unser Archiv). A Feast for Crows ist der vierte Band der Reihe in Originalsprache und erscheint am 17. Oktober bei Voyager in der Britischen Ausgabe. Der amerikanische Verlag Bantam zieht am 8. November nach. Die deutsche Übersetzung wird wieder in zwei Teilen erfolgen. Mit dem ersten Teil (Band 7 – „Zeit der Krähen“) können wir wohl Anfang 2006 rechnen.
Etherlord, Elendil-Redaktion





