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September 2010 Editorial

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Ok, jetzt wissen wir es. In der Bundesrepublik Deutschland ist das Kino viel zu billig! Gut, dass uns das mal jemand gesagt hat, denn von allein wäre ich nie darauf gekommen. Dieser Jemand war der Vorstandschef einer Kinokette, und der hat ja den Überblick. Schließlich ist er vom Fach, und keine Torfnase, wie ich. Wie sagte er doch gleich? „Bei 3-D-Filmen haben wir mit 12 bis 14 Euro einen guten Preis gefunden. Im 2-D-Bereich sollten wir uns Richtung zehn Euro bewegen.“ Und er sagte etwas wie: Der Preis sei noch nicht dort, wo er im Vergleich zu anderen Freizeitaktivitäten sein sollte. Nur, welche Freizeitaktivitäten meint er eigentlich? Vielleicht Golf? Da kennt der Herr Vorstandsvorsitzende die Preise bestimmt. Was gäbe es denn noch? Eine Edelhure oder Domina kann für eine Stunde „Freizeitaktivität“ gut 100 Euro oder gar ein Vielfaches davon verlangen. Dagegen ist Kinovergnügen für 10 Euro sicher sehr günstig, da hat er Recht, der Herr Vorstandsvorsitzende.

Im Moment liegen die Durchschnittspreise in bundesdeutschen Kinos zwischen sieben und acht Euro. Dafür bekomme ich, wenn ich ein bisschen stöbere, auch DVD-Schnäppchen mit guten Filmen der letzten Jahre. Allerdings muss ich, wenn ich sie ansehe, darauf verzichten, mit meinen Nachbarn Rempeleien um die zu schmalen Armlehen der Kinositze auszufechten. Das schmälert den Genuss ungemein, besonders bei Actionfilmen, bei denen ich am liebsten mittendrin wäre, statt nur dabei. Ja sicher, es spricht so viel für das Kino, und keiner von uns möchte, dass es ausstirbt. Aber ich kann nur soviel Geld ausgeben, wie ich auch verdiene. Wenn alles teurer wird, muss ich sparen und da man Unterhaltung nicht essen kann, steht sie eben sehr viel weiter oben auf der Liste des Entbehrlichen. Und eigentlich flimmert so viel Mist über die Leinwand, dass ich in Zukunft einfach besser auswählen werde. Von mir wegen können Sie die Preise ruhig erhöhen, Herr Vorstandschef. Und die Provision gönne ich Ihnen auch. Im Gegenzug will ich aber nicht Golf spielen müssen. Das wäre dann doch zu viel!

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 02. September 2010 um 13:48 Uhr  

Kommentare  

 
0 #1 Celethoron 2010-09-02 10:50
Angenommen die Preise für eine Eintrittskarte kommen bei rund 10 Euro an. Rechne ich also einen Familientag (zwei Erwachsene, drei Kinder) im Kino ein, käme ich persönlich grob auf insgesamt etwa 75 Euro. Darin enthalten sind für jeden ein Getränk, sowie für die Kids drei Packungen Popcorn sowie die Parkgebühr.

Für einen 3D-Film, bei dem der Preis für die Karte in dieser Rechnung mal mit 14 Euro angenommen wird, würde ich bei gleicher Konstellation bereits 95 Euro zahlen. Im Ernst, wer soll das bezahlen? Wer wundert sich denn jetzt noch, dass immer weniger Menschen ins Kino gehen?

Am Kinotag bekomme ich die Karte für 5 Euro, dann bleibt der Spass insgesamt noch unter 50 Euro. Das ist zu verkraften. Alles andere ist nicht mehr möglich. Schon gar nicht, solange viele 3D-Filme inhaltlich so grottenschlecht sind. Dann hole ich lieber zwei gute Spiele für das Geld. Da habe ich sogar langfristig das bessere Geschäft gemacht.
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