Das Geheimnis von Oak Island, der kleinen Insel vor Neuschottland, beschäftigt seit vielen Jahren Menschen auf der ganzen Welt. Wer oder was hat vor mehreren Jahrhunderten den geheimnisvollen Schacht angelegt. Was sollte für immer versteckt werden?
Im Jahre 1795, fast 500 Jahre nach der Zerschlagung des Tempelritterordes, ruderte ein junger Mann in seinem kleinen Boot auf eine kleine unbewohnte Insel. Die Insel wurde Oak Island genannt. Den Namen verdankte sie dem großen Eichenbestand der auf der Insel vorhanden war. Oak Island liegt in der Mahone Bay, eine große Bucht auf der atlantischen Seite von Nova Scotia (Neu Schottland). Der Name des jungen Mannes ist Daniel McGinnis, er ist 20 Jahre alt und kommt aus der kleinen Stadt Chester. Er gehört zu den mittelenglischen Siedlern, die erst seit kurzer Zeit in dieser Gegend wohnten. Was ihn genau auf die Insel lockte ist nicht bekannt. Vielleicht war es einfach nur Neugier, denn die Insel war bei den Bewohnern der Umgebung gefürchtet. Die Leute sahen nachts unbekannte Lichter auf de Insel und es wird erzählt, daß zwei Männer zur Insel übersetzten und spurlos verschwanden.
Daniel Chester stieß auf Oak Island auf eine kleine Lichtung. Ihm fiel auf, daß diese Lichtung nicht auf natürliche Weise entstanden war. Als er sie genauer untersuchen wollte stolperte er in eine kleine, mit Laub gefüllte, runde Grube. Neben der Grube stand ein verwitterter Baum mit einem alten Flaschenzug und mit vielen Kerben in den Ästen. McGinnis war sicher dort etwas zu finden, doch er hatte kein Werkzeug dabei. Also entschloß er sich am nächsten Morgen mit Werkzeug wiederzukommen. Am nächsten Tag kehrte er also zurück, aber diesmal nicht allein. Seine Freunde John Smith und Anthony Vaughan begleiteten ihn. Die drei Freunde hofften einen Piratenschatz zu finden, denn Nova Scotia war ein bekanntes Piratennest gewesen. Sie fingen an zu graben und tatsächlich trafen sie nach einigen Zentimetern auf eine Schicht aus Schieferplatten, seltsamerweise gibt es auf diesen Inseln in der Mahone Bay kein Schiefervorkommen. Die Grube selbst war in einem festen Lehmboden angelegt. Unter der Schicht aus Schiefer war wieder Erde, die Männer gruben weiter und stellten fest, daß es sich bei der Grube um einen quadratischen Schacht von zwei Meter länge und breite handelte. In etwa drei Meter tiefe glaubten sie ihr Ziel erreicht zu haben, sie stießen auf eine Schicht aus Rundhölzern, die sorgsam miteinander verbunden waren. Mühsam entfernten sie die Hölzer, doch darunter wahr nur noch mehr Lehm. Sie gruben weiter und erreichten in einer tiefe von sechs Metern eine zweite Schicht aus Hölzern, auch darunter war wieder nur Erde zu finden. Die drei Schatzsucher mußten ihre Suche vorerst aufgeben, denn ohne den Schacht abzustützen konnten sie nicht weiter graben und dazu hatten sie nicht die technischen Fähigkeiten.
Es sollte neun Jahre dauern, bis die Suche weiterging. In der Zwischenzeit hatte John Smith das Land rund um die Grube gekauft. Ein Verwandter von Anthony Vaughan hörte von der Grube und scharte 1804 in seiner Heimatstadt Onslow eine Gruppe von Geschäftsleuten um sich, damit diese die Expedition finanzierten. Die Onslow Company war gegründet. Nachdem die Spuren der letzten neun Jahre beseitigt wurden, wurde weiter gegraben. Nach neun Metern wurde wieder eine Schicht aus Holzbohlen gefunden und drei Meter tiefer wieder eine. Dies wiederholte sich bis zu einer Tiefe von siebenundzwanzig Metern alle drei Meter. Doch dort fanden sie einen flachen runden Stein mit seltsamen Zeichen. Die Zeichen waren in keiner ihnen bekannten Sprache, also konnten sie nichts damit anfangen. Spätestens hier zeigte sich das Dilemma der Schatzsuche auf Oak Island: Es sollte bis in unser spätes Jahrhundert dauern, bis die Schatzsucher auf Oak Island auf professionelle archäologische Hilfe zurückgreifen sollten. Der Stein wurde nicht mehr großartig benutzt und wurde erst ein Teil von John Smith’s Kamin, bevor er endgültig verschwand und bis heute nicht wieder auftauchte.
Auf der Holzschicht mit dem Stein in siebenundzwanzig Metern Tiefe standen nun die Männer der Expedition. Sie hatten vor weiterzugraben, doch wollten sie den nächsten Tag abwarten. Neugierig steckten sie kurz bevor sie Schluß machen wollten eine Eisenstange durch die Bohlen und waren überrascht direkt darunter eine Holzkiste spüren zu können. Wieder glaubten die Männer ihr Ziel erreicht zu haben, leider mußten sie für diesen Tag die arbeiten ruhen lassen, denn die Dunkelheit war hereingebrochen.
Am nächsten Morgen, kurz nach Sonnenaufgang waren sie wieder an der Grube. Etwas glänzte ihnen aus der Grube entgegen. Es war die Morgensonne, die sich im Wasser spiegelte! Über Nacht war die Grube mit Wasser vollgelaufen. Die Männer begannen das Wasser abzuschöpfen, doch soviel Wasser sie auch herausholten, der Wasserspiegel sank nicht. Später versuchten sie mit einer Pumpe den Schacht zu leeren, doch auch dies schlug fehl.
Der Winter brach ein und die Expedition konnte ihre Arbeit erst im kommenden Jahr wieder aufnehmen. 1805 kehrten sie mit einem Plan zurück, neben der ersten Grube sollte eine tiefere zweite gegraben werden, dies war eine geläufige Methode im Bergbau um Wasser aus Schächte zu bekommen. Der neue Schacht wurde sechs Meter tiefer als das erste gegraben, danach wurde eine Verbindung zwischen den beiden Schächten geschafften. In der zweiten Grube stieg langsam der Wasserspiegel und erreichte irgendwann den Wasserspiegel der ersten. Doch leider fiel in der ersten das Wasser um keinen Zentimeter.
Diese Katastrophe bedeutete das Ende der Onslow Company. Die Grube wurde abgedeckt und die Männer gingen wieder ihrem normalen Leben nach.
Über vierzig Jahre später, 1849, kam die Truro Company auf die Insel. Mit neuer Technik und viel mehr Geld wollte man das Geheimnis von Oak Island lüften. Von den ersten drei Schatzsuchern lebte nur noch Anthony Vaughan. Er diente der Truro Company als Berater.
Die Expedition erreichte die Grube und man stellte erstaunt fest, daß kein Wasser mehr in der Grube war. Etwa zwei Wochen lang wurde die Grube von vierzig Jahren Dreck befreit und die Arbeiter freuten sich schnell voranzukommen. Doch auch sie wurden eines Morgens von dem Wasser in der Grube überrascht. Tatsächlich, das Wasser in der Grube stand in etwa 18 Meter tiefe, genauso wie vor vierzig Jahren.
Die Truro Company war vorbereitet, doch bevor sie gegen das Wasser kämpfen wollten, bohrten sie mit einem Bohrer in die Grube und dort wo vor vierzig Jahren mit der Eisenstange die Truhe ertastet wurde, traf der Bohrer auf eine dicke Eichenholzplatte und danach eine etwa einen halben Meter dicken Schicht aus Metallstücken, nach den Metallstücken kam wieder eine Holzplatte und dann eine Schicht aus Lehm. Unter der Lehmschicht war wieder eine Holzplatte mit der Schicht aus Metallstücken darunter. Die Expedition war sich sicher, zwei Schatzkisten gefunden zu haben.
Sie mußten die Expedition aufgrund der Witterungsverhältnisse aufgeben und kamen 1850 zurück. Die gleiche Taktik wie die Onslow Expedition sollte diesmal angewandt werden, es wurde eine dritte Gruppe gegraben, diese lief auch voll. Aber jetzt konnten die Arbeiter aus drei Gruben gleichzeitig das Wasser abpumpen. Doch soviel sie auch pumpten, der Wasserspiegel blieb gleich.
Während dessen fiel ein Arbeiter in eine Grube und stellte überrascht fest, das in der Grube Salzwasser war und nicht wie bisher angenommen eine unterirdische Quelle. Jetzt erst fiel ihnen auf, daß das Wasser mit den Gezeiten des Meeres stieg und fiel.
Wenig später wurde etwas seltsames entdeckt. An der Ostseite der Insel fand man dicke Kokosmatten. Diese Matten waren auf einer Fläche von fünfundvierzig Metern ausgebreitet und dann mit Sand überschüttet worden. Der gesamte Strand wurde von Menschenhand angelegt um fünf Entwässerungskanäle zu tarnen. Diese Kanäle führten vom Meer aus in die Insel hinein. Von jetzt an war allen klar, daß es sich nicht um ein Piratenversteck handeln konnte. Piraten hatte es immer eilig und hatten keine Zeit aufwendige Konstruktionen zu errichten, falls sie dazu überhaupt im Stande gewesen wären. Man mußte also versuchen das Meerwasser von der Insel fernzuhalten. Es wurde ein künstlicher Damm angelegt um die Grube trockenlegen zu können, doch der Damm wurde bei einem Sturm zerstört.
Die letzte Hoffnung war einen neuen Schacht zu graben, diesmal nicht um die Grube trockenzulegen sondern mehr oder weniger von unten an die Kisten zu kommen. Als die sechste Grube auf der Insel sechsunddreißig Meter tief war, versuchte man sich seitwärts zu den Truhen bewegen zu können. Der Plan schien zu funktionieren, doch plötzlich vernahm man ein lautes Krachen und die Grube war eingestürzt. Glücklicherweise wurde kein Mensch dabei verletzt, leider mußte die Truro Company die Suche aufgeben, denn die war bankrott. Die Truro Company löste sich 1854 auf. [Celethoron]





