Die Frau in Schwarz

Die meisten Filmfans kennen die klassischen Filme der Hammer Films Productions die zwischen den 1930er bis in die 1980er Jahre gedreht wurden. Viele Filme des legendären britischen Studios waren dem Grusel- oder Horror- Genre zuzuordnen. Nicht wenige wurden zu Klassikern, andere wirken heutzutage recht seltsam. Zu den bekanntesten Stars dieser Filme gehören sicherlich Peter Cushing sowie Christopher Lee. Ohne Zweifel kann man behaupten, dass Frankenstein und Dracula ohne Hammer heute nicht so populär wären. Ende der 80er Jahre kam es allerdings zu einer finanziellen Schieflage, was das vorläufige Ende des Unternehmens bedeutete.

2007 wurde das Studio zu neuem Leben erweckt. 2010 folgte ein Achtungserfolg mit dem Remake „Let Me In“, der Neuverfilmung des schwedischen Originals „So finster die Nacht.“

Bereits 2009 wurde die Verfilmung des erfolgreichen Romans „The Woman in Black“ von Susan Hills angekündigt. Die Vorlage scheint direkt aus dem frühen 19. Jahrhundert entsprungen, erschien jedoch erst im Jahr 1983. Auch auf der Bühne ist „The Woman in Black“ sehr erfolgreich, bietet das Stück doch viel Handlungsspielraum für den jeweiligen Hauptdarsteller.

Ein Coup des Studios war zweifelsohne die Verpflichtung von Daniel Radcliffe, der als Harry Potter in den vergangenen Jahren ein Millionenpublikum begeistern konnte. Lady in Black, in Deutschland als „Die Frau in Schwarz“ im Kino, wurde mit einem Budget von nur 15 Millionen US-Dollar und dem Einspielergebnis von mehr als 120 Millionen US-Dollar zu dem erfolgreichsten britischen Horrorfilm der letzten 20 Jahr! Dementsprechend kann man durchaus behaupten, dass Hammer Films wieder dort angekommen ist, wo viele Fans das Label gerne sehen.

Aber ist der Film nur erfolgreich, weil Daniel Radcliffe in der Hauptrolle zu sehen ist? Man täte dem Film wirklich Unrecht. Radcliffe spielt die Rolle des jungen verwitweten und alleinerziehenden Anwalts Arthur Kipps ausgesprochen gut. Natürlich sieht man im ersten Moment, auch aufgrund des altenglischen Settings und der Dampflokomotiven, kurz den Harry in ihm aufblitzen.

Schon wenig später ist das alles vergessen. Der an sich selbst zweifelnde und immer noch trauernde Vater wird in ein kleines britisches Dorf an der Küste geschickt um den Nachlass einer Verstorbenen zu regeln. Er erreicht das kleine Dorf und wird von Anfang an mit Misstrauen und Ablehnung konfrontiert. In dem alten Haus auf einer kleinen Insel untersucht er die verblichenen Dokumente und kommt einer Familientragödie auf die Spur. Schnell findet er heraus, dass sich hinter den Mauern der alten Häuser seltsame Dinge verbergen und das er einiges mit der titelgebenden dunklen Lady gemeinsam hat. Nebel, Schatten im Dunkeln sowie geisterhafte Fratzen am Fenster sind die klassischen Zutaten des Films und funktionieren noch immer! Es bedarf keinem übermäßigen Einsatz von Blut oder anderen Schockelementen um Spannung aufzubauen. Trotzdem weiß der Zuschauer sehr schnell: Irgendetwas ist dort Draußen im Marschland und es ist verdammt gefährlich und unheimlich wütend! Arthur Kipps hat nicht mehr viel zu verlieren und so versucht er unter Einsatz seines Lebens dem Schrecken ein Ende zu bereiten. Das nimmt man ihm ab!

Ein wirklich guter Film zum Gruseln! Die Hammer Film Productions sind in der Gegenwart angekommen. Mehr Filme dieser Art und der britische Horror gibt in dem Genre wieder den Ton an.

Snow White and the Huntsman

Gleich zwei Filme versuchten 2012 das Märchen von Schneewitchen neu zu interpretieren. Während Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen eher satirisch die Geschichte von der bildschönen Prinzessin erzählte, geht Snow White and the Huntsman einen völlig anderen Weg: Dunkel, kalt und brutal ist das Land nach der Machtergreifung durch die böse Königin. Es fließt viel Blut in dem Film. Mit Gefangenen wird nicht ziemperlich umgegangen. Von der Leichtigkeit des Märchens in bunten Farben ist nichts mehr zu sehen.

Mit dem Pfund Charlize Theron in einem Film muss man wuchern. So wird ihr im ersten Teil des Films viel Raum gelassen. Ihre Geschichte und ihre Motive werden ausführlich dargestellt und fast hat man Mitleid mit ihr. Interessant Theron und Julia Roberts in zwei unabhängigen Filmen die gleiche Rolle völlig unterschiedlich spielen zu sehen. Und natürlich muss man die Meinung des „Spiegels“, bzw. filmübergreifend der „Spiegel“, nicht teilen wenn es um die Frage der Schönsten im ganzen Land geht. Zur Wahl stehen immerhin Julia Roberts und Lily Collins sowie Kristen Stewart und Charlize Theron.

Überhaupt drängt sich nach vielen Minuten irgendwann die Frage auf, warum die Produzenten das Vehikel des grimmschen Märchens nutzen um ihre Geschichte zu erzählen. Snow White and the Huntsman ist viel näher an „Legende“ oder dem „Der Herr der Ringe“, als an familientauglichen Erzählungen aus dem Hause Disney. Manche Szenen und Einstellungen wirken tatsächlich wie Zitate aus Peter Jacksons Meisterwerk.

Wie einst die Jungfrau von Orleans führt Kristin Stewart das Heer der Guten in die Schlacht, nicht ohne vorher wie Aragorn eine flammende Rede gehalten zu haben. Neben ihr reitet ein Huntsman, dargestellt von Chris Hemsworth, der nach persönlichen Verlusten erst dem Alkohol und dann der Protagonistin verfallen ist. Der obligatorische Prinz ist natürlich auch mit von der Partie, auch wenn er es nicht in den Titel des Films geschafft hat. Vielleicht wird es irgendwann mal einen Film mit Kristen „Bella“ Stewart geben, in dem sie nicht zwischen zwei Helden wählen muss?

Snow White and the Huntsman ist trotz allem ein fantastischer Film der viele Elemente der klassischen Fantasy- und Abenteuerfilme aufgreift. Die Reise durch dunkle Wälder, feindliche Gegenden sowie magischen Lichtungen gehört ebenso dazu wie die strikte Trennung von Gut und Böse. Wieso das darbende Königreich auf die heilbringende Prinzessin wartet klingt jedoch arg an den Haaren herbeigezogen.

Landschaftsaufnahmen, Kampfchoreographie und Ausstattung sind über jeden Zweifel erhaben. Dennoch hat man manchmal das Gefühl der Film ist aus einer anderen Zeit. Erzählstil, Kameraführung und Schnitt wirken teilweise überholt und episodenhaft. Kristen Stewarts Prinzessin wird allen gefallen die auch Bella Swan in den Twilight- Filmen gut fanden. Manche werden ihre Ausdrucksweise vielleicht nicht als einer Prinzessin würdig empfinden. Dennoch war der Film erfolgreich genug und eine Fortsetzung, diesmal mit einem neuen Regisseur, ist bereits in der Planung. Fast alle Hauptdarsteller sollen in der Fortsetzung wieder dabei sein. Wir sind sehr gespannt, ob sich darin Huntsman oder Prinz in einen Hund verwandeln können…