Die fantastische Welt von Oz

Die Erzählungen des amerikanischen Autors L. Frank Baum sind in seinem Heimatland so populär, wie in unseren Breitengraden die Märchen der Gebrüder Grimm. Der ängstliche Löwe, der eiserne Holzfäller ohne Herz, die hirnlose Vogelscheuche und das Mädchen Dorothy mit den roten Schuhen sind in fast jedem Kinderzimmer zu finden.

Die Verfilmung „Der Zauberer von OZ“ aus dem Jahr 1939 mit Judy Garland ist jedoch auch in Deutschland ein Klassiker. Das Lied „Over the Rainbow“ wurde 1940 mit einem Oscar ausgezeichnet und gilt noch heute als einer der populärsten meist interpretierten Filmsongs. Das moderne Musical „Wicked“, welches die Geschehnisse aus der Sicht der Hexen erzählt, ist weltweit auf den Bühnen erfolgreich.

Es war also nur eine Frage der Zeit bis sich ein großes Studio wieder in die Welt Oz wagt. Disney bereitete dieses Projekt schon seit vielen Jahren vor und hat mit Sam Raimi einen interessanten Regisseur engagiert. Raimi, der in frühen Jahren vor allem durch seine Zombiefilme auffiel, hat mit seiner erfolgreichen Spiderman Reihe bewiesen, dass er auch ein großes Publik bedienen kann. Jetzt stand endlich ein familientauglicher Blockbuster an.

Erzählt wird die Ankunft des Zauberers in der Welt Oz, sprich die Vorgeschichte zu Dorothys Abenteuer. James Franco, der bereits in den Spiderman Filmen mit Raimi zusammengearbeitet hat, stellt einen mäßig erfolgreichen Zirkusmagier mit zweifelhafter Moral dar. Durch einen unglücklichen Zufall gerät er in die Welt Oz und zwischen die Fronten der verfeindeten Hexen. Er muss sich für eine Seite entscheiden und beweisen, dass man auch mit einfachen Zaubertricks gegen die mächtige Magie der Hexen bestehen kann. Begleitet wird er von einem fliegenden Äffchen sowie einem zerbrechlichen Porzellanmädchen.

Mila Kunis, Rachel Weisz und Michelle Williams kämpfen als Hexen nicht nur um die Vorherrschaft im Märchenreich, sondern auch um die Gunst des Zauberers.

„Die fantastische Welt von Oz“ ist technisch brillant in 3D umgesetzt. Die Effekte sind über jeden Zweifel erhaben. Die Visualisierung des kleinen Porzellanmädchens und ihrer Mimik ist tatsächlich beeindruckend. Bei jedem ihrer Schritte hat der Zuschauer Angst sie würde zerbrechen.

Wie bei Avatar oder Alice kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn die Kamera zwischen hohen Felsen, durch tiefe Flussläufen oder bunte Blumenmeere fährt. Das ist allerdings auch ein Hauptkritikpunkt an dem neuen Film. Die bunten 3D Filme ähneln immer mehr wilden Achterbahnfahrten. Das funktioniert im Kino dank großer Leinwand und Soundeffekten zumindest beim ersten Mal sehr gut.

Spätestens im Heimkino müssen die Filme auch inhaltlich überzeugen. „Die fantastische Welt von Oz“ muss dann beweisen, dass sich ein wiederholtes Anschauen lohnt und die Verfilmung in die Fußstapfen des Klassikers steigen kann. Leider wird den Gefährten des Zauberers auf seiner Reise durch Oz nicht so viel Raum gelassen wie einst Dorothys Freunden. Deren Streben nach Erfüllung ihrer sehnlichsten Wünsche, nämlich Herz, Mut und Verstand, machen den Klassiker heute noch sehenswert. Raimi verlässt sich zu sehr auf die Kraft der Bilder sowie die Schauspielleistung von James Franco. Anders als in dem düsteren Sequel „Oz- Eine fantastische Welt“ aus dem Jahr 1985 ist die Rückkehr nach Oz für viele Zuschauer versöhnlich und auf jeden Fall für die ganze