John Carter

Wie bewertet man einen Film dessen Vorlage bereits vor 100 Jahren geschrieben wurde und seitdem als Ideengeber für zahlreiche anderen Science Fiction Filme und Romane diente? Trotzallem Respekt vor dem Buch von Tarzan Schöpfer Edgar Rice Burroughs natürlich mit den Maßstäben die im Jahr 2012 für Filme gelten.

Die erste Frage lautet deshalb, möchte jemand die Geschichte eines US- Bürgerkriegsveteranen sehen, der durch uralte außerirdische Kräfte auf den Planeten Mars transportiert wird und inmitten eines neuen Bürgerkriegs erwacht?

Immerhin reisen die Menschen seit Stargate (1994) auf ähnlichen Wegen weit über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus und haben dabei die unglaublichsten Abenteuer erlebt. Der Mars selbst hat durch jüngste Erforschung viel von seiner Mystik verloren und gilt seit Red Planet (2000) oder Mission to Mars (2000) sogar als Kassengift.
Trotzdem kann John Carter funktionieren, wenn man sich beim Erzählen auf die titelgebende Hauptfigur und seine Erlebnisse als gestrandeter Mensch des 19. Jahrhunderts in einer fremden, fortschrittlichen und dennoch sterbenden Welt konzentriert.

Avatar lebt vom Kennenlernen einer außerirdischen Zivilisation und der langsamen Verwandlung des Protagonisten vom Außenseiter zum wichtigen Teil der Gemeinschaft. STAR WARS gewinnt durch sein Ensemble und der klaren Überzeichnung von Gut und Böse. Demgegenüber steht John Carter, der sich mehr oder weniger alleine durch die hölzernen Dialoge kämpft.

John Carters Sidekicks werden sehr oberflächlich dargestellt und die Beweggründe ihrer teils radikalen Meinungsänderungen sind oft nicht nachvollziehbar oder werden in einem Nebensatz erwähnt. Fast schon lächerlich wirkt Carters Haustier, welches im späteren Verlauf der Geschichte durch eine unglaubwürdige Tat sogar die Handlung rettet. Erwähnenswert ist diese Szene dennoch, handelt es sich dabei vielleicht um die Deus ex machina des Jahres.

Manche Gespräche kratzen an der Oberfläche und der Zuschauer erwartet jeden Moment, dass es endlich in die Tiefe geht und die Figuren an Profil gewinnen. Prompt schlägt die nächste Klappe und man bleibt mit noch mehr offenen Fragen vor der großen Leinwand sitzen.

Die Effekte des rund 200 Millionen Dollar teuren Epos sind auf jeden Fall über alle Zweifel erhaben. Das müssen sie auch, da fast alle Actionszenen schon in anderen Filmen vorgekommen sind und deshalb Vergleiche vorprogrammiert sind. Gebetsmühlenartig wird diese Tage kolportiert, das alle anderen bei Burroughs kopiert haben und nicht umgekehrt. Für den Zuschauer spielt das allerdings keine Rolle.

Andrew Stanton, bisher eher als Regisseur von Animationsfilmen aufgefallen, hat es dennoch geschafft die Handlung nicht völlig im Feuerwerk der Effekte untergehen zu lassen.
Viele erfolgreiche Filmreihen, mal von Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“ abgesehen, begannen mit einem in sich abgeschlossenen und schlüssigen Film zum Auftakt. Vielleicht hätte es John Carter gut getan nicht zu viele Brotkrumen für die angedachten Sequels zu legen. Aufgrund des bisher mäßigen Einspielerfolgs rücken diese nämlich in weite Ferne.
Wer sich aufmacht um Kinospektakeln wie Avatar oder STAR WARS den Rang abzulaufen, sollte vor allem in der Lage sein die fast schon historische Vorlage für mitreißendes 3D Kino zu adaptieren. Das ist Disney und Stanton trotz den Möglichkeiten der elfteiligen Romanserie nicht gelungen.

Fazit: Leider nimmt sich John Carter teilweise zu ernst, um als trashige Werksverfilmung im Stil von Flash Gordon durchzugehen. Auf der anderen Seite ist John Carter nicht ernst genug, um es zum Beispiel mit dem Klassiker Dune aufzunehmen. Kurzweilige und leider auch austauschbare Kinounterhaltung.