2012

Roland Emmerich erinnert immer mehr an einen kleinen Jungen, der mit großer Freude Papas Modelleisenbahn in Stücke zerlegen darf und dabei die Videokamera mitlaufen lässt. Während er sich in Independence Day (1996) noch mit der Zerstörung der Hauptstädte zufrieden gab, durfte er in The Day After Tomorrow (2004) bereits die gesamte nördliche Halbkugel mittels Gefrierbrand vernichten. In 2012 wird schließlich die ganze Welt umgekrempelt.

Independence Day lebte von den zu diesem Zeitpunkt noch ungewöhnlichen Zerstörungsszenen und vor allem von den witzigen Hauptdarstellern Will Smith und Jeff Goldblum. Mittlerweile reichen coole CGI-Effekte jedoch nicht mehr aus, um die hohen Eintrittspreise an den Kinokassen zu rechtfertigen. Stattdessen sollte man im Jahr 2009 den Wert einer guten Story erkannt haben, denn in jedem Computerspiel ist heute mehr Handlung als in vielen Hollywoodfilmen (was vielleicht der Grund ist, weshalb immer mehr Computerspiele verfilmt werden…).

Wer mit 2012 auf eine Trendwende hoffte, dürfte schwer enttäuscht sein. John Cusack ist sichtlich bemüht, vor den gewaltigen Bildeffekten eine gute Figur zu machen. Als gescheiterter Familienvater wird er im Verlauf der Krise zum Held, wirkt jedoch oft gelangweilt und völlig unbeeindruckt. Vor kurzem kämpften bereits Tom Cruise und Nicolas Cage in gleicher Mission und machten eine bessere Figur.

NEW MOON – Biss zur Mittagsstunde

Eigentlich haben sie alles richtig gemacht! Angesichts der großen Aufmerksamkeit durch das weltweite Publikum, und angespornt durch den kommerziellen Erfolg des Vorgängers, ließ man bei der Produktion von New Moon, der Verfilmung des zweiten Romans der Twilight-Saga rund um die Liebesgeschichte von Bella und Edward von Stephenie Meyer, nichts dem Zufall überlassen. Die Darsteller standen diesmal unter der Regie des erfahrenen Mainstream-Regisseur Chris Weitz, der Soundtrack wurde von dem bewährten Komponisten Alexandre Desplat beigesteuert und der Film mit aktuellen und stimmigen Songs unterlegt. Insgesamt wirkt die Produktion professioneller, die Trickeffekte sind deutlich besser und der Volturi-Clan wurde mit bekannten Schauspielern (Michael Sheen und Dakota Fanning) besetzt.

Und trotzdem funktioniert es diesmal nicht so richtig. Liegt es etwa daran, dass der Charme der Independent-Produktion des ersten Teils zwischen die Zahnräder Hollywoods geraten ist? Ist der Reiz der verbotenen Romanze zwischen einer Sterblichen und einem Vampir verflogen und gab die Romanvorlage überhaupt genügend her?